Pink pink pink sind alle meine Strampler – wo Gender-Marketing beginnt

Dieses Thema brennt mir schon seit Jahren unter den Nägeln.
Es fing mit den vielen rosanen Geschenken zu Geburt meiner ersten Tochter an und beschäftigt mich aktuell aufgrund der Kinderkataloge, die wöchentlich im Briefkasten stecken; es geht um Gender – Marketing in der Kindermodebranche.

„zauberhaft und süß vs. cool und stark“

Wenn ich den aktuellen Kinderkatalog eines beliebten Modehauses durchblättere, fällt mir als erstes dieses kleine schwarze Kästchen in der oberen linken Ecke auf.
„Jungen“ steht da. Oder eben „Mädchen“. Es gibt auch Seiten mit „Mädchen und Jungen“, aber keine Sorge, damit es nicht zu Verwirrungen kommt, haben sich die Macher etwas Tolles einfallen lassen; die Mädchensachen sind auf der einen- und die Jungssachen auf der gegenüberliegenden Seite zu finden. Wer jetzt als Jungs-Eltern  immernoch befürchtet versehentlich zur Mädchenjacke zu greifen, dem sei es jetzt nochmal deutlich gesagt: Punkte, Schleifen und Blumen gehören den Mädchen, Fußbälle, Dinos und Heavymetal-Bands dagegen den Jungs.
Wer das kleine schwarze Kästchen womöglich übersehen hat, dem wird mit Überschriften nachgeholfen. So findet man beispielsweise die „Sweet Deal-Babysets“ für Mädchen auf Seite 46, die, nicht zu vergessen „bezaubernd“ sind und auf Seite 47 die „niedlichen Styles“ für die Jungs.
Zugegeben, es war schon schlimmer und ich habe mich hier nicht mit dem übelsten Label bezüglich des Gender-Marketings befasst.
Trotzdem, das muss nicht sein. Es SOLLTE nicht sein.
Zum Vergleich habe ich hier noch einen Katalog der Marke Jako-O liegen. Auch hier fällt sofort ins Auge, dass sogenannte Jungs- und Mädchenfarben meistens getrennt voneinander vorgestellt werden. Immerhin findet man hier selten den Begriff „Jungen“ oder Mädchen“.
Ändert das etwas? Wahrscheinlich nicht. Bis auf dass sich Leute wie ich etwas weniger ärgern.
In einem Katalog einer anderen Marke fällt außerdem auf, dass viel Kleidung mit Tiermotiven bedruckt ist. Auf den blauen und grünen Sachen (die auf den Bildern im Katalog offensichtlich von kleinen Jungs getragen werden) befinden sich Elefanten, Krokodile und Haie, auf den pinken und rosanen Sachen dagegen Flamingos, Zebras und Raupen.

„Der Flamingo ist ganz klar ein Tier für Mädchen“

Achsooo. Jetzt dämmert es mir endlich. Flamingos sind für Mädchen, denn sie sind rosa!! Und Blauwale zum Beispiel, die sind für Jungs! Wow, das nenn ich mal ne gerechte Tierwelt. Aber Moment, was ist mit den Flamingomännchen? Möglicherweise trägt auch er immer rosa. Das ist ganz klar uncool und könnte zu sexuellen Orientierungsstörungen führen.

Ironie beiseite. Die ein-oder anderen werden jetzt denken: „Ja klar Sandra, als ob du deinen Töchtern nur einheitliche Kinderkleidung kaufst“.  Ja richtig, das tu ich nicht.
Und warum nicht? Weil ich Blumen mag, weil ich so gut wie alle Farben mag, auch mal rosa und pink und weil auch ich mal in die Gender-Marketing-Falle tappe. Genauso tragen meine Kinder aber auch Dinos, Feuerwehr umd ähnliches was wir oder sie (schließlich haben wir bei der Großen nicht mehr viel Mitspracherecht  ) toll finden.

Dann gibt es Apps wie Mamikreisel. Ich liebe Mamikreisel, ich liebe Secondhand. Wenn du dort etwas Bestimmtes an Kleidung suchst, kannst du auf die Kategorie „Kleidung für Mädchen“ oder „Kleidung für Jungs“ oder auf „Alles“ klicken. Ich bezweifel stark, dass viele letzteres wählen.

„Mädchensachen sind schöner“

Ich freue mich immer, wenn es bei Aldi  oder Lidl schöne Kindersachen zu kaufen gibt. Die Sachen dort sind gut getestet und werden zum fairen Preis verkauft. Ich persönlich – und wie ich weiß auch viele andere- finden die sogenannten „Mädchensachen“ dort meistens schöner als die „Jungensachen“ und würde sie aus diesem Grund nicht kaufen. Unschöne Farbkombinationen, irgendwelche Zahlen oder Sprüche wie „Athletic University Team“, die den Jungen besonders cool und sportlich wirken lassen sollen, denn schließlich hat ein Junge so zu sein. Ist dem nicht so, kaufe ich aber genauso gerne die blauen Sachen.
Genauso weigere ich mich aber auch meinen Töchtern etwas anzuziehen, das sie als Prinzessin oder ähnliches betitelt.

Ich denke, dass das Gender-Marketing darauf ausgerichtet ist uns, wie soll es auch anders sein, das Geld aus den Taschen zu ziehen. Hast du ein Mädchen und bekommst anschließend einen Jungen, „musst“ du schließlich alles neu kaufen, wie es immer so schön heißt.

Natürlich ist schon viel passiert, was Kleidung und Gleichberechtigung betrifft.
Aber eins ist klar; den Mädchen(Kinder) wird in der Modebranche mehr erlaubt als den Jungen. Trägt ein Mädchen einen geringelten Hai-Pullover, sagt keiner was. Aber wehe der Junge hat eine rosa Schleife am Hemd, oder trägt eine pinke Leggins.

Liebe Leute, Mode ist für alle da. Auch die mit den Flamingos.

One thought to “Pink pink pink sind alle meine Strampler – wo Gender-Marketing beginnt”

  1. Liebe Sandra,

    ich als Jungenmama stimme deinem Text nur zu… Egal im welchem Laden: die Auswahl an Mädchen Klamotten ist immer größer. So manches mal fand ich es nicht fair… dabei fiel mir auf, dass sich das bis ins Erwachsenen Alter durchzieht. Auch die Damenmode ist vielfältiger als die Herrenmode…
    Tja, wer die Wahl hat, hat die Qual… oder eben nicht:D

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